Monika Funke Stern_Zum Glück gibt's kein Patent_1984_patentamt!
Monika Funke Stern, Zum Glück gibt’s kein Patent, 1985, Filmstill © VG Bild-Kunst, Bonn 2023 für Monika Funke Sterni

Vom Rauschen im Archiv

Ein Projekt zur diversitätssensiblen Erschließung der Videobestände im IMAI-Archiv

Datum

01.01.2023 - 31.12.2024

Das Archiv der Stiftung IMAI umfasst etwa 3.500 internationale Videokunstarbeiten und audiovisuelle Dokumente musikalischer Sub- und Gegenkulturen der 1970er- bis 1990er-Jahre. In Forschungs- und Digitalisierungsprojekten wurden seit der Stiftungsgründung Anfang des Jahrhunderts 1.500 Videobänder katalogisiert und digitalisiert. 
Das Projekt Vom Rauschen im Archiv widmet sich den Videobändern im IMAI-Archiv, die in diesen Prozessen bislang unbeachtet geblieben sind. Die Bestände – vorwiegend im VHS- und U-Matic-Format – sollen in den kommenden zwei Jahren gesichtet, katalogisiert und digitalisiert werden. Dabei wird ein diversitätssensibles Vorgehen, das marginalisierten gesellschaftlichen Gruppen und inhaltlichen Themensetzungen sowie vernachlässigten Video-Formaten besondere Aufmerksamkeit schenkt, erarbeitet.

Neben der praktischen Erschließungsarbeit hat das Projekt Vom Rauschen im Archiv auch eine methodisch-reflexive Ambition. Ziel ist die archivarische Erschließung bisher unbeachteter Bestände, aber auch die Auseinandersetzung mit kritischer Archivtheorie und ihre Überführung in die Praxis. So soll das eigene Vorgehen kontinuierlich reflektiert und eine kritische Methode etabliert werden, die nachhaltig Einfluss auf die Archivstruktur des IMAI, ihre Erfassungsrichtlinien, ihr Datenbankaufbau und ihre Sichtungsprozesse nimmt.

Die archivarische Erschließung ist ein machtvoller Prozess. Praktiken der Benennung, Beschreibung, Verstichwortung und Verzeichnung wirken sich maßgeblich auf die zukünftige Auffindbarkeit der Arbeiten aus. Archive sind somit eine wichtige Grundlage der Geschichtsschreibung. Sie können hegemoniale Narrative und kollektive Erinnerungsstrukturen reproduzieren aber auch korrigieren, wenn eine diversitätssensible Perspektive eingenommen wird. 

Im konkreten Fall des IMAI-Archivs, das große Teile seiner digitalisierten Bestände online frei zugänglich macht, nimmt die Art und Weise, wie die Videobänder im Archiv erfasst werden, entscheidenden Einfluss darauf, wie die Geschichte der Videokunst und auch die Geschichte musikalischer Sub- und Gegenkulturen erinnert wird. Deswegen ist es essenziell, dass das Vorhaben Vom Rauschen im Archiv vor dem Hintergrund aktueller queerfeministischer, postkolonialer und archivtheoretischer Diskussionen und Fragestellungen erfolgt und auch die Position der Archivist*in neu denkt.


Das Forschungsvolontariat wird von der Landeshauptstadt Düsseldorf und dem Ministerium für Kultur und Wissenschaft des Landes NRW unterstützt. Die Arbeit der Forschungsvolontärin wird von Dr. Linnea Semmerling und Nele Kaczmarek (Stiftung IMAI) in Kooperation mit Dr. Kathrin Dreckmann (Institut für Medien- und Kulturwissenschaft der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf) und Dr. Dagmar Brunow (Linné Universität, Kalmar/Växjö, Schweden) begleitet. 
 

Dr. Kat Lawinia Gorska

Gefördert durch

In Kooperation mit

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