Zwei Bildmotive sind übereinandergelegt. Dominant erscheint die Draufsicht auf den mit einem Mikrofon versehenen schwarzen Lederschuh des Künstlers, der über den Asphalt schreitet. Sein helles Hosenbein ist angeschnitten zu sehen. Weniger deutlich erkennbar sind spielende Schwarze Kinder, die in einem Einkaufswagen sitzend durch die Straßen des New Yorker Stadtteils Harlem rollen.
© Marcel Odenbach / VG Bild-Kunst, Bonn 2026i

Marcel Odenbach

Auf Schritt und Tritt

Videoinstallation

Die zweikanalige Videoinstallation Auf Schritt und Tritt entstand während eines längeren Aufenthalts von Marcel Odenbach in New York Mitte der 1990er-Jahre und reflektiert seine intensive Auseinandersetzung mit dem Rassismus in den USA, auch innerhalb der Schwulenszene.

Für die Videoaufnahme ließ er sich eine Kamera bauen, die seine Schritte aus der Obersicht filmte, während ein in der Schuhsohle eingebautes Mikrofon die Lauf- und Umgebungsgeräusche aufnahm. So ausgestattet durchquerte er die geschichtsträchtige 125th Street in Harlem, ein Zentrum afroamerikanischer Kultur und zugleich ein wichtiger Ort der Bürgerrechtsbewegungen.

Die Aufnahmen werden in Odenbachs unverwechselbarer Bildsprache mit weiteren eigenen Motiven aus Harlem, wie spielenden Kinder oder Passant*innen auf der Straße, sowie mit Archivmaterial von Straßenprotesten überlagert und mit einer Blackfacing-Szene aus Alfred Hitchcocks Film The Man Who Knew Too Much (1956) kombiniert. 

Erstmals wird die Arbeit nun durch eine neu produzierte künstlerische Audiodeskription des Londoner Kollektivs SoundScribe erweitert. Ihre Beschreibungen in deutscher Lautsprache lassen historische und soziale Spannungen hörbar werden, irritieren dominante Seh- und Hörgewohnheiten und erweitern das Werk um eine kritische, zeitgenössische Reflexionsebene.

Digitalisierung: Sophie Bunz

 

Bios

Marcel Odenbach (*1953 in Köln) zählt zur frühen Generation der deutschen Videokünstler*innen, die die Entwicklung des Mediums Video als Kunstform maßgeblich geprägt haben. Seine Bildsprache entsteht durch die collageartige Montage von Fernsehmitschnitten, Archivmaterialien, Filmsequenzen und eigenen Aufnahmen. Wiederkehrende Themen in seiner Arbeit sind die Aufarbeitung deutscher Geschichte und des Kolonialismus auf dem afrikanischen Kontinent.

SoundScribe ist ein Kollektiv von Audio-Describer*innen und Accessibility-Berater*innen aus der globalen Mehrheit. Sie entwickeln kreative Audio-Beschreibung, Workshops und barrierefreie Zugänge für Performance, Kunstinstitutionen sowie Film und Video unter besonderer Berücksichtig von gesellschaftlichen Barrieren und kulturellen Kontexten.

 

Veranstaltungsort

Filmwerkstatt Düsseldorf
Birkenstr. 47
40233 Düsseldorf

Der Eintritt ist kostenlos.
Eine Anmeldung ist nicht erforderlich, aber willkommen.

 

Zugänglichkeit

  • Künstlerische Audiodeskription in deutscher Lautsprache

  • Assistenzen vor Ort

  • Assistenzhunde sind willkommen

  • Abholservice: Gerne holen wir Euch bei Bedarf von der nächstgelegenen Haltestelle des öffentlichen Nahverkehrs ab und begleiten Euch zu den Ausstellungs- und Veranstaltungsorten. Bitte meldet Euch dafür vorab bei uns.

  • Early Entry: Bei Bedarf könnt ihr unsere Veranstaltungsräume bereits vor dem Veranstaltungsbeginn besuchen. Bitte meldet Euch dafür vorab bei uns.

  • Die Filmwerkstatt ist nur über Treppen mit Geländer zugänglich. Eine begrenzte Zahl an Parkplätzen befinden sich direkt auf dem Gelände. Unterstützung vor Ort ist möglich. Direkt neben der Filmwerkstatt gibt es eine genderneutrale Toilette. Die nächste rollstuhlgerechte Toilette befindet sich in der Sammlung Philara nebenan und kann auf Anfrage genutzt werden. Nehmt gerne vorher Kontakt mit uns auf, wenn ihr Unterstützung benötigt.

Dokumentation

Marcel Odenbachs zweikanalige Videoinstallation in der Filmwerkstatt Düsseldorf. Am Ende des Raumes hängt eine große Projektionswand auf der eine Szene mit Jimmy Stewart in Blackface-Makeup von Alfred Hitchcocks „The Man Who Knew Too Much“ (1956) abgespielt wird. Davor steht ein CRT Monitor auf einem Sockel in Richtung der Leinwand. Auf dem Boden ist ein selbstgemachtes Blindenleitsysteme installiert, das in die Ausstellung hineinführt.

© Marcel Odenbach und Stiftung IMAI - Inter Media Art Institute, Foto: Kai Werner Schmidt

Ein schwarzer, quadratischer Röhrenfernseher steht auf einem dunkelgrauen Sockel im Ausstellungsraum der Filmwerkstatt. Auf dem Monitor liegen zwei kabelverbundene Kopfhörer. Der Fernseher zeigt ein schwarzes Paar blankpolierter Lederstiefel auf einem ornamentalen turkmenischen Buchara-Teppich.
Die zweikanalige Videoinstallation „Auf Schritt und Tritt“ von Marcel Odenbach wird von Besuchenden angeschaut. Am Ende des Raumes hängt eine große Projektionswand, die eine Szene mit zwei übereinandergelegten Bildmotiven zeigt: ein Lederschuh des Künstlers und spielende Kinder. In der Mitte des abgedunkelten Raumes steht ein schwarzer CRT MonitorSockel, der zur Leinwand hin ausgerichtet ist. Zwei Besuchende stehen neben diesem Fernseher und tragen damit verbunde Kopfhörer.
Marcel Odenbach sitzt auf einem Stuhl auf der Bühne der Filmwerkstatt und erzählt über sein ausgestelltes Werk. Links neben ihm steht Linnea Semmerling und hört ihm gespannt zu.

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