Simnikiwe Buhlungu, long time lung time continuuum!!! (a conver-something), 2024, (c) die Künstlerin
Simnikiwe Buhlungu, long time lung time continuuum!!! (a conver-something), 2024, (c) die Künstlerin
Simnikiwe Buhlungu, long time lung time continuuum!!! (a conver-something), 2024, (c) die Künstlerin i

long time lung time continuuum!!! (a conver-something)

Nach Images against Darkness, 2012 und Watch Out, 2018 ist long time lung time continuuum!!! (a conver-something) die dritte Kooperation zwischen dem IMAI – Inter Media Art Institute und dem KIT – Kunst im Tunnel in Düsseldorf. Ausgangspunkt des Projekts war die Einladung an die Künstlerin Simnikiwe Buhlungu, zur Geschichte und der Sammlungspolitik des IMAI-Archivs zu forschen, das seine Wurzeln in der experimentellen Videokunst der 1970er und 1980er Jahre sowie in der rheinischen und internationalen Post-Punk- und New-Wave-Musik hat. Buhlungu erweiterte ihre Einladung sukzessive, indem sie die Künstlerin Valie Export, die Lüftungsanlage des KIT, einen Juno 6-Synthesizer und die Musikerin Pamela Z im Kontext eines conver-something[1] einbezog – ein in der Praxis der Künstlerin bereits etabliertes Format. Die Gäste wurden eingeladen, sich in dem unterirdisch gelegenen Raum des KIT zusammenzufinden, um räumliche Atemarbeit in ihren ganz eigenen zeitlichen Logiken zu erproben[2]. Welche textuellen, klanglichen und infrastrukturellen Äußerungen (für ein Davor; für das Danach) lassen diese Versuche einer gemeinsamen Ein- und Ausatmung zu?

Den Ton der Ausstellung wird mit einer Arbeit aus dem Videoarchiv des IMAI gesetzt: Mit dem multisensorischen Breath Text: Liebesgedicht, 1970-1973 lädt die österreichische Video- und Performancekünstlerin Valie Export die Besucher_innen ein, ihren Atem mit dem der Künstlerin zu synchronisieren, wobei sie Spuren eines noch zu schreibenden Textes auf einer Glasscheibe hinterlässt. Buhlungus Interesse an Klangsynthesen als Relikte polyphoner Khuayas[3] fließt wiederum in eine neue Soundarbeit der Künstlerin, die in Kollaboration mit einem Juno 6-Synthesizer entstanden ist. In der Arbeit werden diverse Zugänge zum Atmen ausgelotet, wobei mithilfe verschiedener Werkzeuge und Instrumente auditive Lesezeichen (Intros, Outros, Interludes, Präludien, Samples, Wasserzeichen, etc.) entstehen.
Das Zusammentreffen in den unterirdischen Räumen des KIT hängt von einer Infrastruktur ab, die Luft zuführt, zirkulieren lässt und abführt – sprich: der Lüftungsanlage. Seit seiner Installation im Jahr 2006 erfüllt das vollintegrierte oberirdische Kühl-, Heiz- und Lüftungssystem des KIT seine Funktion als verborgenes Element, das die Begegnung im Untergrund ermöglicht. Da die Lüftungsanlage verständlicherweise ständig in Betrieb sein muss, wird sie unterirdisch durch ein Quartett von Metallrohren ergänzt, die als Abkömmlinge der Lüftungsanlage lautstark husten und prusten. Klanglich überlagert werden diese von der Videodokumentation der Performancearbeit Breathing (Carbon Song Cycle), 2014 von der US-amerikanischen Musikerin Pamela Z, die von einer Live-Performance begleitet wird, in der die Künstlerin „akustische Instrumente mit elektronischen, mechanische mit digitalen Geräten und Maschinen mit Fleisch und Blut“ sampelt[4].

Simnikiwe Buhlungu wurde in Johannesburg, Südafrika geboren und lebt derzeit in Amsterdam. Ausgehend von ihrem Interesse an Wissensproduktion(en) – Fragen, wie Wissen entsteht, wer es generiert und wie es verbreitet wird – verortet die Künstlerin sozio-historische und alltägliche Phänomene mit diversen Lösungsansätzen und forschungsbasierten Methoden. Sie kartiert auf diese Weise Wissenspunkte, anhand derer verschiedene Wahrnehmungsebenen und Resonanzen verortet werden können.

long time lung time continuuum!!! (a conver-something) ist ab Samstag, den 24. Februar, 11 Uhr geöffnet. Als Höhepunkt wird während der Laufzeit am Mittwoch, den 24. April ab 19 Uhr ein Konzert mit Pamela Z und ein Künstler_innengespräch mit der Musikerin und Simnikiwe Buhlungu stattfinden. Der Eintritt ist an beiden Tagen frei.  

Kuratorin: Nele Kaczmarek

 


[1] Ein conver-something [Nomen und Verb; kontextabhängig] ist ein Ort für die Produktion, Hinterfragung und Verbreitung von Wissen, der in der Regel durch die Anwesenheit von Mitwirkenden und Zuhörenden klanglich vermittelt wird. Das erste conver-something debütierte 2017.

[2] 1970←2006→2024←2014

[3] Ein khuaya [Verb] (Ableitung von Chor; ausgesprochen »kuh-ah-jah«) ist eine Zusammenkunft von Menschen und relativ alltäglichen Dingen (Klatsch und Tratsch, das Teilen von Geheimnissen, das Bitten um Rat, Phuza Thursdays/Chillaz, auf Supermarktdächern abhängen, Trost empfangen und spenden usw.), wobei Sound, Lieder und Gesang willkommene Ergebnisse sind.

[4] Pamela Z., A Tool is A Tool, In: „Women, Art and Technology“, MIT Press, 2003, Hrsg. Judy Malloy, S. 365.

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