Aki Nakazawa, Secret Time, 2004, video still, © VG Bild-Kunst, Bonn 2024 for Aki Nakazawa
Aki Nakazawa, Secret Time, 2004, video still, © VG Bild-Kunst, Bonn 2024 for Aki Nakazawai

Circulating Copies: Künstleringespräch Barbara Hlali und Screening

Gespräch mit der Künstlerin Barbara Hlali im Rahmen des Screeningprogramms Secret Time

Barbara Hlalis Trickfilme kreisen um das anhaltend aktuelle Sujet des Krieges, um Flucht und Vertreibung, wobei die Möglichkeiten von Widerstand und Befreiung immer mitgedacht werden. Für den im Rahmen des Screenings Secret Time im HafenKunstKino präsentierten Film Painting Paradise gewann die Künstlerin den Preis des Verbandes der Deutschen Filmkritik für den besten Experimentalfilm des Jahres 2009. Ihre Arbeiten sind unter anderem in der Sammlung des Museums Ostwall im Dortmunder U und werden zurzeit im Rahmen der Sammlungspräsentation Kunst → Leben → Kunst. Das Museum Ostwall gestern, heute, morgen gezeigt.

Inspiriert von der gleichnamigen Videoarbeit der japanischen Künstlerin Aki Nakazawa, versammelt das Programm Secret Time poetische, ekstatische, medien- und gesellschaftskritische Arbeiten aus der Sammlung des IMAI, die zwischen 1979 und 2008 entstanden sind. Laut bis subtil manifestieren sich darin Formen der Gesellschaftskritik, die als Übersteigerung oder Eskapismus alternative Bewusstseinszustände thematisieren oder auch hervorrufen.
Aki Nakazawa (*1976, JP) lenkt den Blick auf Momente, die im Alltag schnell an uns vorbeiziehen und kaum bewusst wahrgenommen werden. Wie beim Tagträumen kommt die Zeit für einen Augenblick zum Stehen und das Gefühl von Stille und Schönheit breitet sich aus. Das Innehalten und die erlebte Gelassenheit münden in Secret Time im Existenziellen, das die Künstlerin in poetische Bilder übersetzt. Barbara Hlali (*1979, DE) folgt ihrer Vision von einer friedlichen Welt und manipuliert Medienbilder aus der Konfliktregion Bagdad durch Übermalung. In Painting Paradise werden Soldaten in Zivilisten verwandelt und die vom Krieg gezeichnete Stadt in ein Urlaubsparadies mit Palmenstrand. Der Ausgangspunkt für Fucking Christmas von Julián Álvarez (*1950, ES) ist ein Konzert der US-amerikanischen Sängerin und Dichterin Lydia Lunch, das im November 1989 in Barcelona stattfand. Die düster-apokalyptische Rezitation Lunchs, die ihre Spoken-Word-Performance mit den Worten „Desaster claims” beginnt und wiederholt „When does it stop?” ausruft, kombiniert Álvarez mit melancholischen Aufnahmen der weihnachtlich geschmückten Stadt, die von Konsum und Einsamkeit geprägt ist. Constance DeJong und Ken Feingold (*1950, USA / *1952, USA) verweben in ihrer Arbeit In Shadow City östliche und westliche Konzepte des Umgangs mit Tieren zu einer dichten Erzählung, die in einem Schauspiel mit Tiermasken ihren Höhepunkt findet. Die Rollen, die Tiere in unterschiedlichen Kulturen spielen, die spirituelle Kraft, die ihnen zugeschrieben wird, aber vor allem ihre Ausbeutung und die Zerstörung natürlicher Lebensräume durch schnell wachsende Städte werden in dem Video angesprochen. Zur Zeit der Entstehung der Arbeit Technology / Transformation: Wonder Woman von Dara Birnbaum (*1946, USA) Ende der 1970er-Jahre war der Medienkonsum maßgeblich vom Fernsehen geprägt. Die Künstlerin arbeitete mit Found Footage aus der Superheldin-Fernsehserie Wonder Woman, um auf stereotype Darstellungen von Frauen in den Medien hinzuweisen. Das Video war dann im Schaufenster eines Friseursalons in New York zu sehen und konfrontierte die Passant_innen mit ihrem häuslichen Medienkonsum an einem öffentlichen Ort.

Programm:

Aki Nakazawa, Secret Time, 2004, 4:25 Min.
Barbara Hlali, Painting Paradise, 2008, 5:35 Min.
Julián Álvarez, Fucking Christmas, 1990, 13:27 Min.
Constance DeJong und Ken Feingold, In Shadow City, 1988, 11:44 Min.
Dara Birnbaum, Technology / Transformation: Wonder Woman, 1979, 05:40 Min.

Dank an Hajo Rappe und Björn Merse

Secret Time ist eine Veranstaltung des Programms Circulating Copies.

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